Tja, leider gibt es hier kaum noch etwas über unser "Leben" (eher Existenz) im hohen Norden zu Berichten. Das hat aber leider seine Gründe: wir erleben nichts mehr! Von unseren Mitstudenten aus Hagenberg, dich auch auf Auslandssemester sind, hören wir immer allerlei Erzhälungen, wie toll es nicht sei. Jetzt wirds Zeit, dass wir uns mal den Frust von der Sehle Seele schreiben:
1) Erasmusveranstaltungen: Was ist das? Kann man das Essen? Smischi (= Studienkollege, nichts zum Essen!) hat gerade einen Erasmus-Ausflug am Partyboot von Lappeenranta (Finnland) nach Stockholm unternommen. Herm war schon in Polen. Unser selbstorganisiertes Wochenende in Stockholm ist leider schon etwas her. WIR WOLLEN ERASMUS-AUSFLÜGE!
2) Zeit: Es war definitiv keine gute Idee sich von der Aalborg Universität zwingen zu lassen im Auslandssemester 30 ECTS zu absolvieren. Wir beide müssen jetzt JEWEILS ein Projekt mit 50 Seiten Doku schreiben, verbleibende Zeit: 3 Wochen.
3) Alltag: Das heißt unser Tagesablauf enthält neben Projektarbeit (8-12h) noch Kochen, Essen, ab und zu eine Runde Computerspielen und unser absolutes Tageshighlight: für 30min die Wohnung zum Einkaufen verlassen. Dreimal die Woche kommen wir sogar über 30min aus der Wohnung: 2 mal Sprachkurs und einmal Fortgehen (dafür ist eigentlich keine Zeit, aber das muss sein, wenn man nicht komplett durchdrehen will).
4) Kosten: Lebensmittel in Dänemark kosten in etwa das 1,5-2fache von Österreich. Miete zahlen wir über 400€/Monat/Person in einer 3er WG in der Vorstadt mit einem teilweise anstrengenden und hygieneprodukteabstinenten Mitbewohner. Wir wussten dass es teuer wird und nahmen dies in Kauf. Aber wofür? Wir zahlen ein Vermögen, damit wir den ganzen Tag in den Bildschirm starren. Das Auslandssemester war eine Fehlinvestition wie man sie eigentlich nur von Bawag und OEBB kennt.
5) Unterricht: Der ist zwar schon lange vorbei und die Qualität und vor allem die nicht vorhandenen Security-Fächer wurden bereits bemängelt. Trotzdem muss nochmal gesagt werden, dass es jeder beliebige Informatik-Studiengang auch getan hätte.
6) Land und Leute: Von Dänemark kennen wir bisher: Kopenhagen, ... war da noch was? Ich bin mir nicht sicher, ob der Flughafen schon außerhalb der Stadtgrenze ist, aber ihr versteht was ich meine. Leute lernt man auch sehr schwer zwischen Schreibtisch, Küche und WC kennen, irgendwie ist hier nichts los.
Unser Auslandssemester im nächsten Leben:
1) Warm: Wenn wir schon ein halbes Jahr im Ausland verbringen, dann endlich mal irgendwo, wo die Sonne länger scheint und es auch im Winter wohlig warm ist.
2) Party: Es gibt regelmäßig Partys, auf denen man Leute vom Gastgeberland und dem Rest der großen weiten Welt kennen lernen kann. Und natürlich hat man auch genug:
3) Zeit: Man macht die notwendigen 15ECTS und pasta! Wenn wir vollzeit studieren wollen, brauchen wir dafür nicht ins Ausland zu gehen. Wir wollen ins Ausland um uns persönlich weiterzuentwickeln, andere Kulturen kennen zu lernen und Spaß zu haben!
4) Ausflüge: Natürlich gibt es regelmäßig Erasmus-Ausflüge in alle Ecken des Gastgeberlandes und darüber hinaus. Ob man daran teilnimmt oder nicht entscheidet sich nicht, ob man nicht doch lieber das Wochenende mit Projektarbeit vorm Computer verbringen sollte, sondern ob man sich schon vom vorherigen Ausflug regeneriert hat.
5) Kursauswahl: Die spielt im nächsten Leben keine Rolle mehr. Wir haben gelernt, dass hinter einem netten Studiengangsnamen alles mögliche Uninteressante verborgen liegen kann. Computer Science (=Informatik) gibt's überall und pasta! Da weiß man wenigstens, was einen erwartet. An der Uni werden je nach Umfang 2-3 Kurse belegt und dazu natürlich ein Sprachkurs (mit einer Sprache die mehr als 0,08% der Weltbevölkerung sprechen ;) ).
6) Kosten: Am liebsten billig natürlich, aber mal ehrlich: wenn Punkte 1-5 erstmal erfüllt sind spielt Geld keine Rolle mehr und teurer wie Dänemark geht wohl kaum noch.
<träum>
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Mitleitsbekundungen werden gerne im Kommentarbereich entgegengenommen!
Danke fürs Zuhören!
Florian und Peter